Adieu Vorsätze- willkommen Welt

Als ich über einen passenden Namen für diesen Blog nachdachte, ließ ich meinen Blick gedankenverloren durch unser Wohnzimmer schweifen. „Wow!“, dachte ich, „wie schafft es EIN Kind, das noch nicht mal laufen kann, solch ein Chaos zu fabrizieren?“ So war der Name geboren: Ein Kind Chaos.

Meine Tochter zeigt mir jeden Tag, wie viel sie von meinen Vorsätzen hält, die ich mir in der Schwangerschaft schön säuberlich zurechtgelegt hatte.

So hatte ich zum Beispiel stets betont, wie wichtig es mir ist, dass unser Wohnzimmer nicht wie ein unaufgeräumtes Kinderzimmer aussehen sollte, in dem sich Bauklötze, Stofftiere und Bilderbücher so übereinander türmen, dass kaum ein Durchkommen ist. Jeden Abend würde ich die Spielsachen von Lina fein säuberlich ins Kinderzimmer bringen. Ich erinnere mich an das süffisante Lächeln meiner Schwägerin, die nur meinte: „So dachte ich auch mal“. (Wenn ich so darüber nachdenke, fällt mir auf, dass sie diesen Satz ziemlich oft sagt). Aber zurück zum Wohnzimmer: Inzwischen liegt auf dem Fußboden eine praktische Krabbelmatte, alle Spielsachen werden abends in eine große Kiste gepfeffert, die IM Wohnzimmer steht, und wenn ich super gut bin, räume ich sogar alle CDs, die Lina im Laufe des Tages überall verteilt hat, wieder ins Regal. Natürlich nicht nach Alphabet sortiert, obwohl mein Mann wehmütig meinte: „Eigentlich haben die CDs ein System….“

Mit der Zeit stolpert man auch nicht mehr permanent über Spielzeug. Ich glaube man bekommt einen „Elterngang“ oder einen Blick, wie ihn die Berliner für Hundehäufchen auf dem Gehweg entwickeln. Besucher fluchen jedoch regelmäßig, wenn sie auf einen Bauklotz treten – tut aber auch wirklich weh.

Vom Konzept „schöner wohnen“ hab ich mich endgültig bis zu Linas Pubertät verabschiedet. Genauso wie vom Pläne machen. Denn eines weiß ich inzwischen- nichts ist planbar mit Kind. So ist es auch mit Verabredungen: Kinderlose sagen gerne: „Wollen wir uns um 15:00 da und da treffen?“ Sie meinen dann auch wirklich 15:00.In der Babywelt läuft es so: „Wollen wir uns irgendwann so ungefähr zwischen 14:00- 16:00 treffen? Je nachdem, wann Paul/Anna/Lukas/Marie fertig ist mit dem Mittagsschlaf. Ich melde mich einfach, wenn das Baby wach ist – oder vielleicht auch nicht, weil gerade ein neues Zähnchen durchkommt.“ Sowieso ist der Mittagsschlaf ein Mysterium für sich. Lina hat seit einigen Tagen begonnen, länger als 30 Minuten zu schlafen. So schön das ist, so ein richtiges Timing dafür habe ich noch nicht gefunden. Es darf nicht zu früh sein, sonst ist die Zeit bis zum Ins-Bett-gehen zu lang, aber auch nicht zu spät. Dann nämlich ist Party am Abend oder sogar in der Nacht angesagt. Allerdings Party mit einem seeeeehr unzufriedenen Partygast. Lina ist dann zwar zur gewohnten Bettzeit müde, kann aber nicht schlafen, weil sie ja grad geschlafen hat. Wer Tipps und Tricks hat, das Timing-Problem zu lösen – her damit!

So chaotisch und unplanbar das Leben mit Baby auch ist – Lina zeigt mir jeden Tag Dinge in einer Welt, die ich längst vergessen hatte. Und das ist um so vieles besser und schöner als ein durchstrukturierter Tagesablauf oder ein perfekt aufgeräumtes Wohnzimmer.

Allgemein

2 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Zu sagen, dass ich „Tipps und Tricks“ zum Mittagsschlaf habe, wäre zu viel gesagt. Letztendlich ist ja jedes Kind anders – und jede Mama.
    Aber mit Zwillingen war es für mich wichtig, einen halbwegs planbaren Tagesablauf zu haben. Bei meiner Kleinen habe ich es dann ähnlich gemacht, wie bei den Jungs, weil es uns allen gut tat. Und zwar so: ich habe mir den Tagesablauf der beiden ein paar Tage lang angeschaut (und aufgeschrieben, denn das Hirn war Mus). Dann habe ich versucht, darauszufiltern, was an mehreren Tagen ähnlich lief und auch, was gut lief und was nicht (so wie das Party-machen abends).
    Dann habe ich mir überlegt, welche unveränderlichen äußeren Faktoren noch dazukommen (Papas Arbeitszeiten z.B. – bring mal zwei Säuglinge alleine ins Bett: macht keinen Spaß). Und daraus habe ich mir dann einen Ziel-Tagesablauf gebastelt. Und dann habe ich so wie Du bei den Verabredungen (zwischen 14 und 16 Uhr) ungefähr in diese Richtung gearbeitet.
    D.h. wenn die Kinder morgens länger geschlafen haben als sonst, mal ein bisschen lauter in der Wohnung gewirtschaftet, die Vorhänge aufgemacht (auch wenn ich natürlich auch lieber weitergeschlafen hätte), Mahlzeiten angeboten, wenn sie drangewesen wären, Action gemacht, wenn grad Actionzeit war und ich habe ein Schlafritual eingeführt für Mittag- und Abendschlaf. Alles dann, wenn es zumindest ungefähr zu der Stimmung der Jungs gepasst hat.
    Relativ schnell hatten die beiden den Rhythmus verinnerlicht. Sie waren dadurch natürlich unflexibler. Mal abends noch irgendwohin mitnehmen ging halt nicht.
    Für mich war es trotzdem genau das Richtige! Ich würde es bei jedem weiteren Kind wieder so machen.

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