Die Suche nach der Nadel im Heuhaufen
„Wir haben einen Kitaplatz!“ Wer diesen Satz in Berlin – und sicher auch in vielen anderen Städten Deutschlands – aussprechen kann, der freut sich wie jemand, der den Jackpot im Lotto geknackt hat. Zu Recht, denn die gefühlte Erfolgswahrscheinlichkeit für beides ist ziemlich gleich. Ehrlich, die Suche nach einem Kitaplatz habe ich mir um einiges einfacher vorgestellt.
Als ich in der 13.Woche schwanger war, habe ich zusammen mit meinem Mann unsere Wunschkita besucht, um uns dort anzumelden. Irgendwie war die Situation grotesk. Es war Sommer 2016. Ohne erkennbaren Babybauch plante ich die Zukunft meines ungeborenen Kindes. Zwei Jahre bevor es mit der Kita losgehen sollte! Aber die Kita gefiel uns super und die Leiterin gab uns ein gutes Gefühl, als sie bestätigte, dass wir rechtzeitig gekommen waren. Freudig trabten wir mit der Gewissheit nach Hause, wir haben einen Platz … aber weil ich ein sicherheitsliebender Mensch bin, meldete ich Lina noch in zwei weiteren Kitas in der Nähe an.
Die Monate zogen ins Land, ich war beschäftigt mit Nestbau und verschwendete an die Kita keinen Gedanken mehr. Als Lina auf der Welt war, unterhielt ich mich mit einigen anderen Mamas im Rückbildungskurs. „Habt ihr auch schon einen Kitaplatz?“, fragte ich die erste. „Wir haben uns bei allen beworben, mal sehen, welche es wird.“ „Wir sind in der XY“, sagte ich voller Stolz. „Wie, die haben Euch schon zugesagt?“, meinte die andere Mama irritiert. „Nun ja, mündlich“, erwiderte ich etwas zögerlich und ein flaues Gefühl machte sich in meinem Magen breit. „Ob der Platz vielleicht doch nicht so sicher ist?“, schoss es mir durch den Kopf. „Unsinn!“ meinte die Optimistin in mir und verdrängte ihn sofort. Aber hartnäckig, wie Zweifel nun mal sind, ließ er das nicht mit sich machen und nagte an meiner guten Laune.
Am nächsten Tag marschierte ich direkt zur Kita. Die Leiterin war wieder sehr freundlich, aber mir wurde schnell klar: SIE HATTE KEINEN PLAN, WER ICH WAR! Panik machte sich in mir breit, als sie einen randvollen Ordner aus dem Schrank zog und bedauernd meinte. „Mmmm, Sie sehen schon, die Warteliste ist sehr, sehr voll.“ Kopfschüttelnd blätterte und blätterte sie durch den Papierdschungel, bis sie schließlich einen kleinen Zettel mit Linas Namen fand, auf dem sie notierte, dass wir weiter Interesse hätten. Kein Wort von einer festen Zusage.
Ernüchterung machte sich in mir breit. Erst jetzt wurde mir bewusst, wie das System funktioniert. Um einen Platz zu bekommen, braucht man viele Optionen, einen langen Atem, starke Nerven und viel Zeit, um regelmäßig bei den Kitas vorstellig zu werden. Panisch telefonierte ich alle Kitas in der Nähe ab, aber die Wartelisten waren voll und wir waren viel zu spät dran, um auf einen Platz hoffen zu können. Schließlich war unsere Tochter zu dem Zeitpunkt schon vier Monate alt.
In der nächsten Zeit machte ich es wie alle anderen Mütter. Einmal im Monat besuchte ich die Kitas, ging zum Tag der offenen Tür und bekundete Interesse – wie heißt es so treffend – die Hoffnung stirbt zuletzt.
Bämmm – Überraschung! Letzte Woche kam die Zusage von Kita XY. Hurra, wir gehören zu den Auserwählten! Warum bleibt allerdings ein Rätsel. War es der frühe Kontakt, unsere Hartnäckigkeit, mein Lächeln oder die grimmige Miene meines Mannes, wenn wir wieder mal mit unverbindlichen Aussagen nach Hause geschickt wurden? Wir werden es wohl nie erfahren – genauso wenig wie die vielen Eltern, die in dieser Runde leer ausgegangen sind, wissen, warum sie gescheitert sind… und das nervt!
Allgemein Baby Elternzeit Erziehung Kita Kitaplatz Mutter Papa spielen Tochter Vater