Im Rückbildungskurs
Als ich im 9. Monat schwanger war, fragte mich eine Freundin, ob ich schon einen Rückbildungskurs gebucht hätte. Ehrlich? Ich fühlte mich gerade wie ein gestrandeter 🐳 Ich hatte schon bei Amazon geschaut, ob es vielleicht tragbare Sauerstoffgeräte gibt, und wenn was runterfiel, dachte ich darüber nach, ob ich es wircklich die nächsten Wochen noch brauche.
Und sie redete von Sport! Überzeugt hat mich das Argument, dass ich ansonsten nie mehr unbeschwert lachen könne. Und ich bin – was das angeht – eher der Typ Bauarbeiter, der sich bei einem guten Witz auf die Schenkel klopft und lauthals loslacht. Das damenhafte Lächeln liegt mir nicht so.
Also buchte ich flugs einen Kurs, der einige Wochen nach der Geburt starten würde. Ich kannte damals meine Tochter noch nicht …… Da sie früher das Licht der Welt erblickte als erwartet, war sie beim Kursstart 7 Wochen alt. Ich freute mich darauf, wieder mal rauszukommen und hoffte, die eine oder andere Mami kennenzulernen, mit der ich ein bisschen in der Elternzeit abhängen könnte. Lina schien sich auch zu freuen – sie hatte einen ganz guten Tag und schlummerte friedlich in ihrem Tuch, als wir ankamen.
Das Prinzip war einfach: die Babys liegen in der Mitte und die Mamas turnen drum rum. Ich spürte, wie mein Puls sich beschleunigt. Niemals würde Lina hier in der Mitte liegen wollen. Sobald ihr Fuß etwas anderes als den mütterlichen Körper berührte, war Ende mit Ruhe. Hilflos schaute ich mich um. Wo war sie, meine seelenverwandte Mama mit High Need Baby (meine Hebamme hatte mir erklärt, so würde man Babys wie Lina nennen), aber alle Mamas pellten ihren Nachwuchs aus den Klamotten und legten diese auf die extra mitgebrachte Kuscheldecke. Ich hatte keine Decke – und keinen Plan, was ich tun sollte.
Irgendwann lagen alle und ich spürte die Blicke der anderen Mütter. Alle warteten darauf, dass es endlich losgeht. Also nahm ich meine immer noch schlafende Tochter aus dem Tuch und legte sie auf eine Matte in der Mitte. Sie schlief weiter… wow!! In den 10 Minuten, die sie so dalag, richtete ich gedanklich den Raum als Wohnung ein. Ich würde hier einfach die nächsten Wochen einziehen.
Dann wachte meine Tochter auf und brüllte los vor Empörung. „Da hat wohl jemand Hunger „, flüsterte die Mama neben mir“ . Hektisch nahm ich mein Baby hoch und versuchte sie zu stillen. Mit dem Ergebnis, dass meine Tochter noch lauter brüllte. Die Hebamme erklärte mir, dass ich Lina draußen einer Betreuungsperson bringen könne, um in Ruhe zu turnen. Gesagt getan. Ich drückte meine schreiende Tochter einer älteren Dame in die Arme. Sofort war Ruhe. Nochmal wow – Lina war wohl in eine Schockstarre gefallen. Schnell huschte ich zurück in den Raum. Kaum was die Türe ins Schloss gefallen, hörte ich meine Tochter wieder weinen. „Sie beruhigt sich sicher gleich“, meinte die Hebamme. Ich schwitzte. Nach 10 Minuten kam die Betreuerin rein, drückte mir Lina in den Arm mit den Worten : „Das ist wirklich ein schwieriges Baby, ich kann sie nicht beruhigen.“
9 von 10 Terminen liefen genauso ab. Beim 10. Mal war Lina beim Papa zu Hause. Ich turnte eine Stunde und merkte das erste Mal, wie anstrengend so ein Kurs eigentlich ist.
Ps: Eine seelenverwandte Mama habe ich da nicht kennengelernt.
PPS: Lachen kann ich inzwischen trotzdem wieder.
#baby #highneedbaby #rückbildung #stillen #mutterglück
Hey da hast du aber keinen schönen Kurs erwischt! Meine Tochter ist auch nicht von der Sorte „Schlummer-Baby“ gewesen, aber die Hebamme im Rückbildungskurs hatte immer auch Übungen im petto die man mit Tragetuch oder einfach Baby im Arm machen konnte. Man wurde zum Glück auch nicht schräg angeguckt wenn der Nachwuchs schlecht gelaunt war. Hoffe beim nächsten Mal erwischt du einen netteren Kurs😉 Viele Grüße
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