Alles ist relativ- Jetzt spricht der Papa
War Albert Einstein verheiratet? Hatte er eine Geliebte, eine Freundin oder sogar eine Tochter? Ich weiß es nicht. In einer Sache bin ich mir allerdings völlig sicher. Seine Relativitätstheorie hätte Einstein nie aufgestellt, wäre er nicht durch tiefgreifende Erfahrungen mit dem weiblichen Geschlecht auf den entscheidenden Gedanken gebracht worden: Alles ist relativ.
Als meine Frau und ich vor einigen Jahren unser neues Häuschen bezogen, war ich ein wenig überrascht. Ohne Murren wurde mir ein relativ großes Zimmer zugestanden. „Wow“, dachte ich, „wie nett, sie nimmt das kleinere.“, und gab ihr neben einem Stapel Bücherkisten zum Dank spontan einen dicken Kuss. Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, dass ich damit meinen Anspruch auf den Rest des Hauses verwirkt hatte, mein Raum also im Vergleich zum ganzen Haus relativ klein war.
Vor dem Haus parkte unser Auto, ein Mini One, den ich über alles liebte. Der Mini heißt zwar Mini, ist aber relativ groß. Jeder, der schon mal erlebt hat, wie viel Billy Regale einer schwedischen Möbelfirma sich darin transportieren lassen, weiß, wovon ich rede. Ein Jahr nach unserem Einzug war der Mini verschwunden und vor dem Haus parkte ein Volvo XC 60. Der Grund: Die zweite Frau war bei uns eingezogen, Bonita, eine Berner Sennen Hündin. Der Mini war zu eng geworden, aber selbst der große Volvo erschien mir relativ klein, sobald Bonita die Ladefläche ausfüllte. Sie brauchte viel Platz im Auto und natürlich auch im Haus. Die gefühlte Wohnfläche, die von mir uneingeschränkt benutzt werden konnte, schrumpfte vor meinem geistigen Auge auf die Größe eines Bettvorlegers.
Der Hündin folgten zwei Katzen (KatzEN, nicht KatER) mit Katzenklos, einem Schrank für Feucht- und Trockennahrung, Fressnäpfen, Wasserschalen, mehreren Schlafkissen, Kratzbaum und diversen Spielsachen. Dadurch ging relativ viel Platz verloren, auch wenn meine Frau das für eine Wahrnehmungsverzerrung meinerseits hielt. „Ich weiß gar nicht, was Du hast“, konterte sie meine zaghaft vorgebrachten Beschwerden. „Passt doch alles rein“. Jetzt teilte ich also das Häuschen mit vier Frauen, jede für sich relativ klein, aber in Summe…
Und dann kam Nummer fünf – unsere Tochter Lina, die wir über alles lieben. Über nichts in meinem Leben habe ich mich so gefreut, wie über ihre Geburt, und daran änderte auch die zunehmende Verknappung meines Lebensraums nichts. Ein kompletter Schrank von mir (warum eigentlich von mir?) wurde für die Kindergarderobe geräumt, was eine dramatische Verringerung der Lagerfläche für meine Hemden und Jeans bedeutete. Das Fünftel des Schuhregals, das ich bisher zäh gegen die immer wiederkehrenden und als Versehen getarnten Übergriffe meiner Frau verteidigt hatte, wurde halbiert. Das kostete drei älteren, aber sehr bequemen Paar Schuhen das Leben. Mein Einwand, dass unsere Kleine ja noch gar keine Schuhe habe, wurde mit einem Argument vom Tisch gefegt, dessen Logik ich bis heute nicht verstehe: „Unser Kind ist eine FRAU und jede Frau braucht Platz für Schuhe“. (Kleiner Exkurs diesbezüglich: Lina hat im zarten Alter von 11 Monaten bereits dreimal so viel Socken wie ich… wenn man das auf die zu erwartende Schuhmenge hochrechnet, ist Schlimmes zu befürchten.) Relativ viel Raum galt es auch für Linas Spielsachen zu opfern. Trotz Kinderzimmer sammelten sich mehr und mehr Stoffhunde, Holzpferdchen und Bilderbücher im Rest des Hauses an. Immerhin kann ich die Küche noch auf einem schmalen Pfad erreichen, der durch das Chaos führt, doch muss ich auf dieser Passage aus Sicherheitsgründen ein Paar der wenigen, mir verbliebenen Schuhe tragen, denn (autsch!) der Weg ist mit Bauklötzen vermint.
Aber es gibt Grund zur Hoffnung. Der geplante Ausbau unseres Dachgeschosses verspricht die Beseitigung meiner Misere. Bleibt zu hoffen, dass der dadurch erzielte Raumgewinn nicht in relativ kurzer Zeit von der weiblichen Übermacht okkupiert wird. Albert, bitte drück mir die Daumen!
Hallo Mama von Lina!Ich mag deinen Blog sehr gerne. Daher war ich auch so frei, dich für den Liebster Award zu nominieren. Ich würde mich sehr freuen, wenn du mitmachst. Liebe Grüße
https://alltagswirrsinn.wordpress.com/2018/01/03/der-liebster-award
LikeLike
Oh wie schön, vielen Dank , ich bin gerne dabei
LikeLike
Dann freue ich mich ja schon auf deinen Beitrag!
LikeLike