Falls ihr noch was braucht…

Ich war unheimlich froh, als endlich die ersten zwölf Wochen meiner Schwangerschaft rum waren und ich der ganzen Welt verkünden durfte: „Ich bin schwanger“! Diese ganze Heimlichtuerei der ersten Wochen war so gar nicht meins. Zumal gerade in dieser Zeit viele berufliche Termine mit abendlicher Veranstaltung anstanden. Mal ehrlich, so lange schluckt doch kein Mensch Antibiotika. Aber es war eine glaubhafte Ausrede, um das angebotene Glas Wein abzulehnen. Viel schwieriger war es hingegen, meine Müdigkeit zu verbergen. Ich war in den ersten Wochen meiner Schwangerschaft so unheimlich müde, dass ich oft Angst hatte, mitten im Meeting plötzlich in Tiefschlaf zu fallen und von meinem Chef wachgerüttelt zu werden. Apropos Chef: Ich hatte ziemlichen Bammel davor, ihm von meiner Schwangerschaft zu erzählen. Auch wenn wir ein sehr gutes Verhältnis pflegen, ist es ja in der Regel für einen Arbeitgeber keine Nachricht, die ihn jubeln lässt. Mein Vorgesetzter hat aber richtig super reagiert und mir freudig gratuliert. Kurz darauf meinte er beiläufig: „Falls Du noch was brauchst, wir haben noch diverse Babyutensillien im Keller“. Ich freute mich, denn für die kurze Zeit, in der die Kleinen die Klamotten tragen, in der Wippe sitzen oder die Babyschale benötigt wird, müssen die Sachen ja nicht unbedingt neu sein.

Die Nachricht meiner Schwangerschaft verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Alle freuten sich mit uns – und ein kleines Stück mehr freuten sich die Freunde mit kleinen Kindern. Jede Gratulation endete mit dem Zusatz: „Also wir haben von Anna/Mia/Max noch XY, was wir nicht mehr brauchen…“

Als ich im sechsten Monat schwanger war, hätten wir einen Babyfachmarkt eröffnen können. Mein Mann warf einen Blick in Linas Kleiderschrank und meinte: „Das Kind ist noch nicht mal geboren und hat jetzt schon mehr Klamotten als ich.“ Noch mehr Babyzubehör stapelte sich in unserem Keller. Neben vielen nützlichen Sachen, auch ein von Lina heiß geliebter Plastikhund, dessen Bellen uns nun permanent nervt, da seine Batterien einfach nicht zur Neige gehen, sowie ein singendes Kinderklo, das wir mit Sicherheit vor Lina verstecken werden.

Eigentlich halte ich das Verschenken gebrauchter Kindersachen für ein prima Konzept und überlege, dasselbe im Freundeskreis mit den Sachen der Erwachsenen zu etablieren. Es gibt doch vieles, was wir nicht mehr brauchen, aber jemand anders würde sich doch bestimmt darüber freuen. Gelebte Nachhaltigkeit sozusagen.

Inzwischen ist Lina ein Jahr alt und ich warte sehnsüchtig auf die Verkündung einer neuen Schwangerschaft in unserer Umgebung. Wir hätten nämlich von Lina noch einige Sachen, die wir nicht mehr brauchen …

Allgemein

2 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. In England sind Kleidertausch-Partys recht populär, sog. Swap Partys. Ich war auch schon mal auf einer Swap Party in Köln. Alle bringen die Klamotten mit, die sich nicht mehr anziehen, und man kann sich von allem nehmen, was man gerne hätte. Dazu ein paar Gläschen Prossecco 🙂

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